Gerade bin ich dabei und scanne ein paar Fotos ein. Meine Lomo enttäuscht mich in keinster Weise: schmuddelige Bilder, verwackelt, unscharf, schlecht ausgeleuchtet, keine gewählte Quadrage, nichts. Und doch ist mir gerade aufgegangen, was ich an diesen Bildern so mag, die andere als einfach nur schlecht fotografiert hinstellen: sie lassen demjenigen, der sie ansieht, viel Spielraum beim Betrachten und Erinnern.
Ein perfektes Bild ist ästhetisch, legt aber zumeist gleich die Deutung oder Wahrnehmung fest. Klare Linien, Fluchtpunkte und Symbole, gestylte Bilder mit gezielter Aussage. Die Aussage, die bei den Lomo-Bildern bleibt, ist einfach nur das Leben, der Moment und setzt sich mit der Stimmung des Betrachters, den Eigenheiten und Blickgewohnheiten, der kognitiven Ergänzung, dem Objekt A und der Detailfindigkeit jeder einzelnen Person zu dem eigentlichen Bild zusammen. Nicht die Projektion auf das Fotopapier oder die rein optische Wahrnehmung machen das Bild aus, sondern die Ergänzung durch den Betrachter.
Schön, dass es das gibt und man sich ein Gegengewicht zum überästhetisierten Kunstbild erhalten kann.

Gegengewicht der Gedanken