Das Leben tobt ganz still und die stummen Schreie lassen sich fühlen

By Andreas Bliemeister

Heute Abend war ich in „Wolke 9″, dem neuen Film von Andreas Dresen. Die Geschichte ist so kurz wie die Besetzungsliste und doch wahnsinnig groß. Was ist, wenn das Leben durch ein lange verschollenes Gefühl aus der Bahn geworfen wird? Nach 30 Jahren Zusammenleben verliebt sich die Protagonistin Inge (Ursula Werner). Mit so viel Feingefühl und so zerbrechlich, dass das bedrückende Glück der Situation spürbar wird. Der Alltag und das Leben laufen vorbei wie die berliner S-Bahn vor dem Fenster oder der Kaffee in der Küche durch die röchelnde Maschine. Die Momente des (un?)möglichen Glücks werden so scharf und schnell (ab-)geschnitten, dass der Zwiespalt wie ein Riss in der Leinwand wirkt.

Die Liebe von Älteren (60plus), die wie eine fest gefügte Institution in den Allgemeinköpfen vorherrscht, wird hier seziert und ihre Fragilität, die grundmenschliche Angst und Sehnsucht treten zutage. Das erstickende Lachen, die Nähe bejahende Distanz, die Kopfdrehung von Vertrautem zur Sehnsucht und zurück sprechen Bände, die Dialoge nie so füllen könnten. Ein wunderbarer Film.

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