Archiv für die Kategorie ‘Kunst’

Ich seh’ was nicht, was Du nicht siehst

15. August 2008
Manhattan 1960

Manhattan 1960

Ich habe es gefunden: Manhattan 1960 von Henri Cartier Bresson. 2004 habe ich seine Retrospektive in Berlin besucht und dort dieses Bild gelesen. In der vergangenen Woche habe ich mich daran erinnert, als ich über die Schönheit von Dingen nachgedacht habe, die man nicht sieht. So wie die Frau in dem Bild. Das flüchtige Bein im Bild ist der Augenblick, den es zur Entzündung von Gedanken braucht und der Blick des Mannes, den ich übrigens komischerweise gar nicht mehr erinnert hatte, wird zum Kanal meiner eigenen Vorstellung. Was sehe ich nicht?

Das Gegengewicht im Bild

26. Juli 2008

Gerade bin ich dabei und scanne ein paar Fotos ein. Meine Lomo enttäuscht mich in keinster Weise: schmuddelige Bilder, verwackelt, unscharf, schlecht ausgeleuchtet, keine gewählte Quadrage, nichts. Und doch ist mir gerade aufgegangen, was ich an diesen Bildern so mag, die andere als einfach nur schlecht fotografiert hinstellen: sie lassen demjenigen, der sie ansieht, viel Spielraum beim Betrachten und Erinnern.

Ein perfektes Bild ist ästhetisch, legt aber zumeist gleich die Deutung oder Wahrnehmung fest. Klare Linien, Fluchtpunkte und Symbole, gestylte Bilder mit gezielter Aussage. Die Aussage, die bei den Lomo-Bildern bleibt, ist einfach nur das Leben, der Moment und setzt sich mit der Stimmung des Betrachters, den Eigenheiten und Blickgewohnheiten, der kognitiven Ergänzung, dem Objekt A und der Detailfindigkeit jeder einzelnen Person zu dem eigentlichen Bild zusammen. Nicht die Projektion auf das Fotopapier oder die rein optische Wahrnehmung machen das Bild aus, sondern die Ergänzung durch den Betrachter.

Schön, dass es das gibt und man sich ein Gegengewicht zum überästhetisierten Kunstbild erhalten kann.

Gegengewicht der Gedanken

Gegengewicht der Gedanken